Von Küssels VAPO ins Ministerium – das Portrait einer Karriere

Schon öfters waren Mitarbeiter Norbert Hofers in den Schlagzeilen. Vor kurzem stolperten wir über einen weiteren Namen: Mag. Marcus Ullmann arbeitet im Bundesministerium Verkehr, Innovation und Technologie. Er ist dort für Technologietransfer und Sicherheitsforschung zuständig.

 

Ullmanns politische Karriere begann früh. Den heutigen Vizekanzler Strache lernte er in den 1980er Jahren kennen – gemeinsam spielten sie im Wald „Paintball“.

 

Hier begann der Kontakt Ullmanns auch zum verurteilten Neonazi Gottfried Küssel und fand damit auch den Einstieg in die Neonaziszene. Er wurde stellvertretender Chef der von Küssel gegründeten VAPO (Volkstreue außerparlamentarische Opposition) [vgl. Hans-Henning Scharsach „Im braunen Sumpf„], die sich selbst als „nationalsozialistisch“ beschrieb, die sich die Wiedererrichtung des Deutschen Reiches und die Neugründung der NSDAP zum Ziel gesetzt hatte und schlussendlich in den 1990ern von der Polizei im Zuge der Briefbombenaffäre zerschlagen wurde. http://www.doew.at/erkennen/rechtsextremismus/rechtsextreme-organisationen/volkstreue-auszerparlamentarische-opposition-vapo

Ullmanns Karriere ging weiter in der deutschnationalen Grenzlandmannschaft Cimbria Wien [vgl. Hans-Henning Scharsach „Im braunen Sumpf„], die auch anderen ExVapo-Mitgliedern Unterschlupf bot. Bekanntes Mitglied war zB Felix Budin, der in den 1990ern Neonazikonzerte organisierte, die Seite Alpen-Donau.info mitbetrieb und 2013 aufgrund des NS-Verbotsgesetzes zu einer unbedingten Haftstrafe verurteilt wurde. http://www.doew.at/erkennen/rechtsextremismus/neues-von-ganz-rechts/archiv/jaenner-2013/urteile-im-wiener-neonaziprozess

Am 13.04.2002 organisierten Mitglieder der Cimbria eine rechtsextrem motivierte Demonstration gegen die Ausstellung „Verbrechen der Wehrmacht“, bei der Burschenschafter gemeinsam mit Skinheads „Sieg Heil“ rufend durch die Wiener Innenstadt zum Heldenplatz marschierten. http://www.doew.at/erkennen/rechtsextremismus/neues-von-ganz-rechts/archiv/april-2002/rechtsextreme-und-neonazis-demonstrieren-in-wien Auch Marcus Ullmann fehlte nicht. Er übernahm die Ordnerorganisation für die Burschenschafter.
https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20020509_OTS0029/vapo-mann-organisiert-schutztruppe-fuer-burschenschafter
Auch der Standard berichtete damals: https://derstandard.at/919395/Gegendemo-laut-DOeW-mit-Burschenschaftshilfe

Ein Jahr später – 2003 – wurde Hubert Gorbach Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie. Unter ihm avancierte der damalige FPÖ-Bezirksrat Andreas Reichhardt zum Leiter der Innovations- und Telekommunikations-Sektion des Verkehrsministeriums [vgl. Hans-Henning Scharsach „Im braunen Sumpf„]. Auch Reichhardt spielte in den 1980ern mit seinen Kameraden Strache und Ullmann „Paintball“ (siehe Foto oben) und wurde danach ebenfalls Mitglied der Burschenschaft Cimbria.

Im Dezember 2017 geriet er kurz ins mediale Interesse: Gleich, nachdem das Verkehrsministerium von Norbert Hofer übernommen wurde, stieg Reichhardt vom Sektionschef zum Generalsekretär des Verkehrsministeriums auf. Er ist auch weiterhin Leiter der „Sektion III – Innovation und Telekommunikation“, der die Stabstelle „Technologietransfer und Sicherheitsforschung“ und damit Marcus Ullmann untersteht.

https://www.profil.at/oesterreich/kameraden-karriere-reichhardt-8588373

Somit schließt sich der Kreis. Vom Funktionär einer mittlerweile verbotenen Neonazigruppierung zum Ministeriumsmitarbeiter – über den Umweg einer Mitgliedschaft in einer Burschenschaft ist das in Österreich möglich.

Was macht Marcus Ullmann heute? Welche Rolle spielt er in der FPÖ? Welche Gesinnung hat er heute? Um auf diese Fragen Antworten zu finden, haben wir uns seine Facebook-Aktivitäten näher angesehen.

Heute ist Marcus Ullmann fest verankert in der FPÖ Wien. Gemeinsam mit Johann Gudenus und dem Wiener Landtagsabgeordneten Leo Gabriel Kohlbauer besucht er etwa regelmäßig Stammtische.

Hier beim Wahlkämpfen für die FPÖ mit Kirstin Stanzel, die auch gerne mal stolz ihre Kette mit Lebensrune präsentiert. Die Lebensrune ist ein Symbol der Nationalsozialisten und wird bis heute von Neonazis als Erkennungssymbol genutzt.

Ullmann kondoliert auch Kirstin Stanzel, als sie verkündete, dass der wegen Wiederbetätigung verurteilte Holocaustleugner und Neonazi, „ein Teil ihrer Prägung“, Gerd Honsik am 7. April 2018 verstarb.

Marcus Ullmann nimmt auch an Arbeitssitzungen der Bezirksparteileitung FPÖ Mariahilf teil…

… und fehlt natürlich nicht am Wiener „Akademikerball“:

Wir rufen in Erinnerung: Marcus Ullmann war einmal ein führendes Mitglied der Neonazigruppe VAPO, jetzt tanzt er auf Bällen der FPÖ. Hat sich seine Gesinnung gewandelt? Mit einem Tool haben wir die Facebook-Gruppen, in denen er Mitglied ist, gescreent und nach seinen Postings durchsucht.

Alleine schon die Mitgliedschaft in einer geschlossenen Gruppe namens „Ritterkreuzträger“ lässt erahnen, dass sich seine Gesinnung nicht radikal gewandelt haben dürfte, sind dort ebenfalls Mitglieder zu finden, wie der rechtskräftig verurteilte Neonazi Franz Radl (Honsiks Sprachrohr auf Facebook), oder Manfred W. Platschka, Mitglied der Burschenschaft Germania Libera, der absolut nichts Verwerfliches an den antisemitischen Liedertexten von Udo Landbauers B! Germania finden kann.

Marcus Ullmann ist unter anderem Mitglied in einer – mit 23.000 Mitglieder eine breite Öffentlichkeit erreichende -Gruppe mit dem eher harmlos klingenden Namen „Allianz Europa – Russland“. Die Inhalte sind allerdings weniger harmlos. Hauptsächlich werden dort deutsche Politiker aufs Übelste beschimpft und Fakenews verbreitet. Marcus Ullmann macht munter mit. Bundeskanzlerin Angela Merkel nennt er öfter „kriminell“ und „Psychopathin“:

Ullmann geht so weit, die deutsche Bundesregierung mit dem Nationalsozialismus zu vergleichen:

Über Martin Schulz:

Aus einer anderen Gruppe, der „Anti Islamischen Allianz Abendland“, wieder über Merkel und Schulz:

So zieht sich das dahin, durch alle möglichen Gruppen, immer mit den gleichen Phrasen. Würden wir es nicht besser wissen, könnten wir meinen, Herr Ullmann wäre ein schlecht programmierter Bot.

Bei seinem Freund Robert Kiesinger (der mit dem NSDAP-Kalender zu Ostern) von der FPÖ Wien Liesing zu einem Artikel, in dem „Wiener Wohnen“ das Aufhängen von Adventkränzen an Wohnungstüren aus feuerpolizeilichen Gründen untersagte:

 

Aber es gibt auch Helden im Leben des Marcus Ullmann:

Alexander Schleyer war früher parlamentarischer Mitarbeiter von Christian Höbart, danach als Schiffskapitän der rechtsextremen „Identitären Bewegung“ auf Jagd auf Flüchtlinge. Das Experiment fand ein unrühmliches Ende, nachdem die „Identitären“ inklusive Kapitän das Schiff nach technischen Problemen fluchtartig verlassen hatte. Die Crew wurde einfach sich selbst überlassen. Von „Seeheld“ kann wohl keine Rede sein.

Herr Ullmann hat eine beachtliche Karriere hinter sich. Ob ein Ex-Vapo Mann, der heute Teile der deutschen Bundesregierung aufs Übelste beflegelt, weiter im Verkehrsministerium für Technik und Sicherheitsforschung tätig sein soll, das kann nur Herr Hofer entscheiden. Uns war es ein Anliegen, die Öffentlichkeit zu informieren.

5 Kommentare zu „Von Küssels VAPO ins Ministerium – das Portrait einer Karriere“

  1. was ich nicht verstehe, warum dieser typ nicht in grund in boden geklagt wird?
    das sind beleidigungen und diffamierungen am laufenden band!

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  2. Einem Rechtsunwissendem könnte der Gedanke kommen, dass der Herr Minister Gerwald Hofer mit diesen „Mitarbeitern“ wieder eine „interne Kommandostelle“ aufbauen will….
    Könnte davon Gefahr für unsere demokratische Republik ausgehen…?
    Da ich davon keine Ahnung habe, würde mich interessieren, was unser Herr BP davon hält…

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